Weltenweiter Wandrer
Buch schreiben

Weltenweiter Wandrer

Kerim. 20 years old. Writer, poet and dreamer.
From South-Germany.
Writing is my passion. Words are my life.

Ist meine Seele auch ummantelt schwärzlich,
so strahlt sie doch in perfektem Schein.
Ich liebte die Sterne zu zärtlich,
um ängstlich in der Nacht zu sein.

Sarah Williams; Der alte Astronom

(Source: vegbi, via c-a-r-n-i-f-i-c-i-n-a)

Tortellini für Israel

In einem meiner vielen Träume von dir, hast du beruflich für die Britische Regierung gearbeitet und solltest nach Israel versetzt werden.
Als ich in die Küche kam, lag eine Packung Tortellini auf dem Tisch, die du unbedingt hattest mitnehmen wollen.
Als ich danach griff und begann, dir hinterher zu hechten, schossen mir allerlei Gedanken durch den Kopf,
so warm wie der Kaffee, den ich auf dem Küchentisch, anstelle der Tortellini, liegen ließ.
Und während ich mit all meiner Energie rannte, so schnell, wie man nur im Traum rennen kann,
sich Szenen und Hintergründe, flinker als ein Dia-Wechsel wandelten, wurden diese warmen Gedanken, zu klarer Erkenntnis.
Den dichten Verkehr ignorierend, sprang ich von einem Autodach zum nächsten, über die entgeisterten Gesichter, verdutzt blickender Menschen hinweg.
Und landete mit der Widersprüchlichkeit, holpriger Eleganz, neben der Queen, die gerade auf ihrem Balkon stand, jeden Moment eine Rede beginnend.
Leibgarde und Geheimdienst, zielten mit ihren Waffen auf mich, Bajonette blitzten bedrohlich vorm Brustkorb.
Ich hob die Arme und neigte das Haupt um zu zeigen, dass ich unbewaffnet war, nicht getrieben durch die Absicht eines Attentats.
Voller Scham und doch mit Stolz, sprach ich zur Monarchin: „Madam, ich weiß, dass ich die staatliche Sicherheit gefährde, doch ich muss dringend die Erlaubnis erbitten, ein Mädchen zu sprechen, dass sich in euren Diensten befindet und heute noch nach Israel entsandt werden soll.“
Ich nannte ihr deinen Namen.
Und danach meine Absicht, die mir auf dem Weg zum Palast klar geworden war, dir zu sagen wie wunderbar du bist, dass ich um die ganze Erde laufen würde, mit einer Packung Tortellini in der Hand, aus Angst, du hättest Hunger, es mir aber am liebsten wäre, du würdest bei mir bleiben.
Die Queen antwortete: „Ihr seid wahrlich frech und ungehobelt. Doch beweist ihr Mut, und einen gesunden Trotz! Nun ist es aber so, dass meine Wache aus unterbeschäftigten Bluthunden besteht und selbst ich euch nur einen Vorsprung von fünf Minuten verschaffen kann. Das Mädchen von dem ihr sprecht, wartet am Ende des Gartens darauf, zum Flughafen eskortiert zu werden. Eilt so schnell ihr könnt! Der Ärger ist euch auf den Fersen.“
Also rannte und rannte und rannte und rannte und rannte ich, schneller als alle Bestien dieser Welt, mit gelächelten Fragen auf den Lippen, dem Leben in den Beinen und Tortellini in den Händen.

Kerim Mallée

palomarosejimenez:

Tova Mozard, Stage and Canvas, 2005.

palomarosejimenez:

Tova Mozard, Stage and Canvas, 2005.

(via furs)

Nach einer echt aufregenden Woche, kreuz und quer in der Weltgeschichte unterwegs, wieder daheim angekommen. Danke an die ganzen wunderbaren Menschen, mit denen ich die Zeit verbringen durfte. Danke an Michelle, dass ich Teil dieser großartigen Ausstellung sein durfte. Danke an die ganzen Helfer, ohne die das alles nicht möglich gewesen wäre.

Ein Versprechen

Die größten Geheimnisse,
warten in Räumen mit abgegriffenen Klinken
an den Türen.
Dort in dem Land,
in dem nur flüchtige Blicke wohnen,
in dem man viele trifft,
aber niemanden kennt.
Denn in der lautesten Welt,
findet man nur die schweigsamsten Wesen.
Die einsamsten Augen,
werden von Verständnis nur gestreift,
wie das Fernlicht übermüdeter Autofahrer
auf dem Heimweg,
frostregennasse Pylonen streift,
bevor diese für immer im Dunkeln verschwinden.
Das ist wegen der Einsamkeit in
deinen Augen,
ein Versprechen an deine Augen,
ein Versprechen an dich,
das dir eine Lichtung unter einem Sternenhimmel
sein soll,
der deinem Blick so lange leuchten wird,
bis die Einsamkeit aus ihm schwindet.
Findest du keinen Schlaf,
dann kenne ich keine Müdigkeit
und ich werde mich dir anvertrauen,
wie die Stille sich dem Echo anvertraut.

Kerim Mallée

Hirschblut

Wenn Hirschblut sich mit Moos vermischt,
dann werden wir unsere Geweihe noch stolzer tragen.
Aufgedreht, wie auf Benzedrin,
mit wilden Augen,
die Zungen träge im Hals,
während der Geschmack nach Adrenalin und Ekstase,
als Stalaktit von unserer Rachendecke tropft.

Das Hirschblut ist nur eine Metapher,
doch wer sich zu nah an unsere Träume wagt,
vergisst den Heimvorteil der Träumer,
durch den Metaphern, Gesetz werden.
Selbst unsere Geweihe,
haben unter ihrer symbolischen Pracht
auch spitze Enden,
die wir noch stolzer und noch sturer tragen,
wenn unser Hirschblut
auf dem Boden, sich mit Moos vermischt.

Wut ist die Kriegsbemalung,
die eventuelle Angst in unseren Augen verdeckt,
uns unnahbar macht,
von unseren Gesichtern ein Berserkerlächeln lässt.

Vielleicht verbirgt sich hinter all dem,
eine engstirnige Vermessenheit,
so weltfremd wie ein Einsiedlerdasein,
auf der Rückseite des Mondes,
doch jetzt ist die Leidenschaft spürbar,
wie der Regen auf der Haut.
Dieser eine Moment jetzt,
in dem sich alles richtig anfühlt,
ist es wert,
einen Irrtum zu riskieren.
Es ist nur ein Gefühl,
doch ich könnte schwören,
der Traumwald ist gewachsen,
seit unser Hirschblut unter euren Klingen,
auf den grünen Boden tropfte.

Kerim Mallée

Flüstern

Unsere Taten,
Bastarde guter Absichten.
So oft waren wir Rabeneltern
unseres Schicksals
und man zeigte mit dem Finger auf uns
und sah uns schief an.
In allem was wir taten
waren wir so unschlagbar,
wie ADHSler,
die versuchten lebende Statue zu spielen.
Doch als die Unzufriedenheit ihren
Sicherheitsgurt ablegte,
hatten unsere Füße
bereits über der Kupplung
und der Bremse geschwebt.
Wir hielten uns aneinander fest,
hielten an
und die Welt drehte sich für eine Sekunde
weiter,
drehte durch
und sie hörten auf zu lachen,
so wie wir aus dem fehlerhaften
Getriebe sprangen,
der Maschinerie ihrer Verachtung,
und unser eigener Motor wurden.
In diesem Moment hatten wir aufgehört,
poetische Grütze auszuspucken
und begannen zu denken.
Zum ersten Mal,
richtig und konsequent
und allein dadurch,
waren wir einer Offenbarung so nahe,
dass wir ihr Flüstern in unserem Ohr
hören konnten.

Kerim Mallée